WINGS Frauen & MINT |

Studieren parallel zum Beruf

Ana Perez Alvarez arbeitet für den Pharmakonzern Boehringer Ingelheim und studiert parallel zum Beruf im Bachelor-Studiengang Prozesstechnik an der TH Bingen. Ihr Studienschwerpunkt ist die Pharmazeutische Technik.

"Die DNA zum Lernen steckt einfach in mir. Ich lerne tatsächlich gerne".

- Ana Perez Alvarez

Hallo Ana, Du studierst parallel zum Beruf. Wie sah denn Dein Weg zum Studium aus?

Ich habe schon vor meinem Studium in ganz unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet – vom Großkonzern im Bereich der Life-Sciences bis hin zum Biotech-Start-up. 2012 habe ich dann mein berufliches Zuhause bei Boehringer Ingelheim gefunden. Meine Basis ist, ganz klassisch für meine Branche, eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin. Später habe ich dann noch eine Weiterbildung zur Biotechnikerin gemacht. Übrigens, auch parallel zum Beruf. (lacht) Ich lerne gerne.

Dann bist du das intensive Lernen parallel zum Beruf durchaus gewöhnt?

Ja, ich kann sagen, dass das fortwährende Lernen schon zu meiner beruflichen DNA gehört. Ich mache das tatsächlich gerne. Das ist keine Floskel. Ich würde sogar sagen: "Es ist ein Teil von mir. Wenn ich nicht mehr lerne, dann bin ich nicht mehr.“ (grinst) Aber Freizeit habe ich natürlich auch gerne.

Wie sieht denn Dein Ausgleich zum Lernen aus?

Ganz klar: Sport. Früher habe ich Flamenco getanzt. Das ging sehr auf die Kniegelenke. So kam ich zum Schwimmen. Über das Schwimmen dann zum Laufen und Radfahren. Das Wort "Ausgleich" trifft es übrigens ganz gut. Ich versuche da die Balance zu halten, weil ich beides brauche: Lernen und Sport. Für mich trainiert der Sport die physische und das Lernen die intellektuelle Fitness. Und wenn eines von beidem zu kurz kommt, dann wird es in mir ganz kribbelig. Ich muss dann was tun.

180822-thb-ana-alavarez-perez-web-03.png

Du musst ja auch die Balance zwischen Job und Studium halten, richtig? Hast Du da einen Plan?

Einen Masterplan habe ich keinen. Wenn man Job und Studium ausgewogen handhaben möchte, dann muss man flexibel sein. Man kann da nicht in starren Rahmen agieren – ich würde fast schon sagen, dass das auch gar nicht möglich ist. Gerade in meinem Arbeitsfeld kann ich das Pensum nicht immer vorausschauen und einplanen. Mein Job kommt zuerst. Wenn ich dann die Gelegenheit zum Lernen habe, dann muss ich das auch machen. In diesem Punkt bin ich sehr froh, den Support meiner Vorgesetzten zu haben. Ich kann auch mal sagen, dass ich jetzt nur das Notwendige mache, weil ich noch was für die Hochschule abschließen muss. Ich würde auch nicht von einem Plan, sondern eher von Kontinuität sprechen – oder vielleicht bildlicher ausgedrückt: von Disziplin und Durchhaltevermögen.

Und was machst Du, wenn die Disziplin mal schwächelt?

Man ist ja auch nur ein Mensch. Ja, das stimmt. Manchmal kommt viel zusammen. Ich versuche dann nach innen zu horchen. Wie geht es mir heute? Geht es mir gut, dann ziehe ich die Dinge durch. Wenn es aber Tage gibt, an denen es mir nicht so gut geht, dann sage ich mir, dass ich auch mit der Hälfte zufrieden sein kann und dass ich so mehr davon habe. Beim Studieren neben dem Beruf kommt es sehr auf die Tagesform an. Das muss man akzeptieren – alles andere ist spekulativ. Ich bin dann lieber im "Hier und jetzt". Und wenn die Grunddisziplin stimmt, dann kommt man stetig voran.

Hast Du einen Rat für Frauen, die Deinem Beispiel folgen wollen?

Ich denke schon, dass man sich vor einem Studium parallel zum Beruf überlegen sollte, auf was man verzichten kann. Das Lernen erfordert Zeit. Das sollte einem bewusst sein. Darüber sollte man dann auch mit Freunden und mit der Familie sprechen. Es ist ganz wichtig, dass man mit seinem engsten Umfeld kommuniziert. Deinen Vertrauten sollte klar sein, dass man in bestimmten Dingen kürzertreten muss. Es ist auch gesund, wenn man sich selbst eingesteht, dass man nicht allem gerecht werden kann.
Außerdem ist besonders wichtig, dass man sich selbst keine "Angstgespenster" aufbaut – auch nicht im Fach Mess- und Regelungstechnik (lacht). Es gibt nichts im Studium, was man nicht mit etwas Mühe schaffen kann. Die eine Hürde ist niedriger, die andere vielleicht etwas höher. Aber wenn ich die vergangenen vier Jahre zurückschaue, kann ich sagen: Das Studium an der TH Bingen ist auch parallel zum Job absolut machbar.

180822-thb-ana-alavarez-perez-web-04.png

An unserer Hochschule gibt es viele großartige Wissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen. Auf unserer Seite WINGS - Frauen & MINT stellen wir einige ihrer Geschichten vor. Damit möchten wir auch andere Frauen bestärken, ihre Karriere in den MINT-Fächern, das heißt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, zu starten.

g id="TH-Bingen_Icon_arrow_02">