Jungakademiker starten mit Lob, magischem Dreieck und guten Chancen in den Job
Einstimmende Musik, klingende Sektgläser und die festlich illuminierte Mensa empfingen die Absolventinnen und Absolventen mit ihren Familien am vergangenen Wochenende zum feierlichen Studienabschluss an der Fachhochschule Bingen. Den Erfolg gemeinsam feiern, besondere Leistungen würdigen und viele gute Wünsche für den Ingenieurnachwuchs zum Berufseinstieg standen auf dem Programm.
Die magische Kraft des Dreiecks aus Hirn, Herz und Bauch, darauf zu hören und sich vom inneren Kompass leiten zu lassen, gab Dekan Professor Peter Leiß den Jungakademikern mit auf den Weg. Im Namen der Studentenschaft wünschte Patrick Johannides den Kommilitonen frischen Wind für die Front und Spaß beim Lösen kommender Aufgaben. Über den Ernst des Lebens philosophierte Dekan Professor Gerhard Roller. „Bleiben sie ehrlich, machen sie Manipulationen nicht mit und vor allem, behalten sie den Humor“, entließ er die Absolventen mit guten Perspektiven auf dem Ingenieurmarkt. Dort knüpfte Professor Dr. Michael Rademacher im Festvortrag „Ingenieur – und nun?“ an. „Ich kann junge Menschen nur ermuntern auch eine internationale Karriere ins Auge zu fassen. Arbeiten und leben im Ausland ist eine echte Bereicherung beruflich und persönlich“, riet der Professor, der selbst über 20 Jahre im Ausland tätig war. Er berichtete von vielfältigen Chancen, die insbesondere die Steine-Erden-Industrie Ingenieuren unterschiedlicher Fachrichtungen auf europäischem Terrain bietet.
FH-Präsident Professor Klaus Becker sorgte mit Glanzzeiten und einschneidenden Stationen der langen FH-Geschichte für manchen Aha-Effekt beim Publikum, bevor er zum Höhepunkt des Abends, der Würdigung herausragender Leistungen, überleitete. Dass auch an der FH mit dem Masterabschluss nicht Schluss sein muss, führte er mit spürbarem Stolz den scheidenden Absolventen vor Augen. Und würdigte Dr. Maria Rosenhauer, die nach dem Master kürzlich hier ihre Promotion abgeschlossen hat.
Gleich doppelten Grund zur Freude hatte Christopher Hilgert aus Weiskirchen an diesem Abend. Er ist bester Bachelorabsolvent des Prüfungsjahrgangs und schloss sein Elektrotechnikstudium „exzellent mit Auszeichnung“ und der Note 1,3 ab. Die Georg-Meyer-Stiftung honorierte das mit 3000 Euro und der Bezirksverein Rhein-Main des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) prämierte Hilgerts herausragende Bachelorarbeit mit dem Friedrich-Dessauer-Preis und weiteren 500 Euro. Im Rahmen eines Forschungsprojektes zum Bau eines multifunktionalen autonomen Flugsystems unter der Verantwortung von Professor Dr. Jens Altenburg hatte Hilgert einen Bordcomputer konzipiert, umgesetzt und die erforderliche Hard- und Software eingebaut. In seiner nun anstehenden Masterarbeit will er sich in dem Projekt mit dem Radarkonzept und geeigneten Anti-Kollisionssystemen beschäftigen. „Ich habe schon sehr lange Spaß an der Elektrotechnik und mein Hobby zum Beruf gemacht. Sehr schön wäre auch die Möglichkeit einer anschließenden Promotion an der FH Bingen.“, verrät der Ingenieur und Wahl-Binger seit 2011 sein Erfolgsrezept und neue Pläne.
Den zweiten Friedrich-Dessauer-Preis im Rahmen der Nachwuchsförderung des VDE für eine Masterarbeit in der Elektrotechnik errang Peter Geiß aus Schönborn. Mit 1000 Euro und der VDE-Trophäe belohnte Jürgen Vorreiter für den VDE-Vorstand Rhein-Main die Antriebssystemanalyse von Kompressorenanlagen des Masters of Engineering.
Eine besondere Persönlichkeit und ihre im Ausland verfasste Bachelorarbeit würdigte Dr. Klaus Becker für die Rotary Club Bingen Auslandsförderung mit 1500 Euro. Preisträgerin Theresa Reß aus Mellrichstadt hatte sich während des Studiums sehr engagiert in FH-Gremien und der Studentenvertretung eingebracht. In der Bachelorarbeit an der Sogn og Fjordane Univerity College, Norwegen, zum Abschluss ihres Umweltschutzstudiums untersuchte sie die Hydrografie von Fjorden und die Auswirkungen durch Wasserkraftwerke. Dabei beachtete sie als weiteren Aspekt den Klimawandel und konnte nachteilige Effekte der Wasserkraftwerke belegen.
Zum ersten Mal wurde der Professor Dr. Hubert Braun-Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet Pflanzenbau - gestiftet von dem ehemaligen Agrarprofessor der FH und nach ihm benannt - vergeben. Erste Preisträgerin ist Katharina Lellig aus Lutzerath (26) Masterabsolventin des Studiengangs Landwirtschaft und Umwelt, die sich über 700 Euro freute. Sie erreichte die Gesamtnote 1,4 und untersuchte als Beitrag zu nachhaltiger Landwirtschaft in ihrer Abschlussarbeit den Einfluss der Witterung auf die Herbizidwirkung in Wintergetreide. Ihre Ergebnisse wurden auf einer internetgestützten Plattform bereitgestellt, helfen nun Landwirten die optimale Spritzmenge von Herbiziden und den optimalen Spritzzeitpunkt zu ermitteln.
Johannes Dörr aus dem saarländischen Wiesbach hat bereits während seines Agrarstudiums Wissen praktisch umgesetzt und im elterlichen Pflanzenbaubetrieb die Erträge um rund 40 Prozent gesteigert. Eine Exkursion zu Biobetrieben, Kontakte zu deren Betriebsleitern und gute konzeptionelle Ideen in der Bachelorarbeit zur Fruchtfolgeumstellung wirkten wegweisend. „Er ist sehr qualifiziert und führt inzwischen den familiären Biobetrieb in der Umstellungsphase“, lobt sein Betreuer Professor Thore Toews den Weg des Absolventen. Der Fachbereich Life Sciences and Engineering honorierte seinen hervorragenden Studienabschluss mit dem Fachbereichspreis und 500 Euro.
Huguette Kamwouo aus Kamerun, Informatikstudentin im sechsten Semester, wurde für gute Studienleistungen und ihr außergewöhnliches Engagement zur Nachwuchsförderung und interkulturellen Kultur an der FH mit dem DAAD-Preis und 1000 Euro ausgezeichnet. Sehr engagiert unterstützte sie nicht nur das Ada-Lovelace-Projekt und den Girls’ Day für Nachwuchsstudentinnen. Sie beteiligte sich maßgeblich an dem Schulprojekt Programmierung und Roboterbau an der Hildegardisschule Bingen und warb als personifiziertes Beispiel für Frauen in Ingenieurberufen.
Die Deutsche-Landwirtschafts-Gesellschaft prämierte die besten Abschlüsse im Bachelorstudiengang Agrarwirtschaft mit einem Geschenkgutschein und ein Jahr freier Mitgliedschaft in der Gesellschaft. Darüber freuten sich die frischgebackenen Agraringenieure André Lennards aus Heinsberg und Paul Johannes Heinemann aus München - beide Note 1,7 - sowie Kim Naser aus Hauenstein, Florian Olf aus Groß-Rohrheim und Meike Werkmann aus Kleinniedesheim, die das Agrarstudium mit der Note 1,8 abgeschlossen haben.
417 Absolventen haben im vergangenen Prüfungsjahr ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. 300 davon in Bachelorstudiengängen und 117 auf Masterniveau, der Frauenanteil liegt bei 21 Prozent.
Musikalisch umrahmt wurde die Feier des Fachbereichs Life Sciences and Engineering von der FH-Band und Mitgliedern des Musikvereins Weiler. Britta Werner begleitete am Klavier die Feier des Fachbereichs Technik, Informatik und Wirtschaft.