Pressemitteilung |

Erster Absolvent im Integra-Programm

Munir Al Okla hat an der Technischen Hochschule (TH) Bingen Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Das Ungewöhnliche daran: Vor gerade einmal fünf Jahren lebte der junge Mann noch in Syrien und sprach kein Wort Deutsch. Möglich gemacht hat das das Programm Integra, das geflüchtete Menschen mit höherem Bildungsabschluss auf ein Hochschulstudium in Deutschland vorbereitet. Finanziert wurde es an der TH Bingen vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK) und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Al Okla hatte in Syrien ein Bachelorstudium im Bereich Erdöl-Chemie absolviert. Und so sollte es für ihn eigentlich auch weitergehen: „Auch mein Masterstudium in Erdöl-Bohrung hatte ich schon begonnen, doch dann mussten wir fort“, so der junge Mann. Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter floh der damals 29-Jährige aus dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land. Über die Balkanroute gelangte die Familie nach Deutschland. Die ersten Wochen in der neuen Umgebung waren für sie eine schwere Zeit, aber bald gab es Hoffnung: „Zunächst lebten wir in einem Flüchtlingsheim in Kusel. Doch dann begannen wir Deutsch zu lernen und fanden unsere ersten deutschen Freunde, Ricarda und Paule. Mit ihrer Unterstützung fühlten wir uns schon viel besser.“ Von Kusel aus zog die Familie nach Waigandshain im Westerwald, wo Munir seine Deutschkenntnisse weiter verbessern konnte – auch hier mit tatkräftiger Hilfe aus dem Freundeskreis und der Nachbarschaft. Mit dem Integra-Programm fand der junge Mann schließlich eine Möglichkeit, auf einen Studienplatz an der TH Bingen hinzuarbeiten und damit an sein Studium in Syrien anzuknüpfen.

Neben Sprachkursen standen für Al Okla auch Tutorien zum Aufbau von Softskills und fachspezifische Einführungen auf dem Programm. So vorbereitet startete er im Herbst 2017 in den Masterstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Das Studium finanzierte er sich durch Minijobs in verschiedenen Unternehmen.

TH-Präsident Prof. Dr. Klaus Becker ist stolz auf den Erfolg des Absolventen: „Wir freuen uns, dass wir als Hochschule dazu beitragen können, Menschen, die aus Krieg und Not flüchten, hier ein gutes Leben zu ermöglichen. Angesichts des Fachkräftemangels in vielen Branchen in Deutschland können alle Beteiligten von dieser Entwicklung profitieren. Herrn Al Okla gratuliere ich herzlich zu diesem besonderen persönlichen Erfolg und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute!“

Seinen Master hat Al Okla inzwischen mit einer Arbeit zum Schwingungs- und Dämpfungsverhalten von Schleifscheiben abgeschlossen. Als TH-Absolvent ist er sehr zuversichtlich, dass seine Jobsuche sehr schnell erfolreich sein wird. Denn Ingenieure werden nach wie vor stark gesucht.


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